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Dienstag, 5. Juni 2012

Richling in der Hersfelder Stiftsruine /Juni 2012







Wilfried Apel am 03/06/2012 | Kategorie: Kultur, Nachrichten
Quelle: http://kreisanzeiger-online.de/2012/06/03/rasant-bissig-und-einfach-nur-gut-richlings-ruinenkabarett/

Rasant, bissig und einfach nur gut: Richlings Ruinenkabarett


Bad Hersfeld. Zwei Stunden allerfeinsten – und wie man es von ihm gewohnt ist: allerschnellsten – politischen und gesellschaftskritischen Humors präsentierte der Großmeister des deutschen Kabaretts, Mathias Richling, am Samstagabend in der Stiftsruine. Einmal mehr, denn schon vor einem Jahr überzeugte er mit seinem ständig aktualisierten Bühnen-Programm „Richling-Code“.

Auch diesmal geht es gleich in „Medias Reis“, was für einen stolzen Baden-Württemberger nichts anderes heißen kann, als sich mit den Dingen zu beschäftigen, die vor der eigenen Haustür passieren. Mit dem ersten grünen Ministerpräsidenten der Welt und natürlich mit „Stuttgart 21“: „Wir haben der ganzen Welt gezeigt, dass es sich lohnt, auf die Barrikaden zu gehen. Das war beispielgebend für die gesamte arabische Revolution!“

„Ehre sei Gauck in der Höhe!“

Über die Piraten gelangt er zu den Bundespräsidenten Wulff und Gauck: „Ehre sei Gauck in der Höhe. Die Erwartungen an ihn sind exorbitant. Gut, dass Wulff die Messlatte so tief gelegt hat!“ Fast schon der Reihe nach lässt er die Politiker, die er gerne durch den Kakao zieht, in der Weite der Stiftsruine ganz vorn am Tisch des Herrn Platz nehmen und auftreten. Sie werden gewogen im Angesicht der Herrin Merkel, deren rotes Jackett hoch über allen im Hintergrund thront. Immer wieder schlüpft er in es – in sie – hinein und spricht, wie „Mutti“ spricht: „Ich warne alle Unzufriedenen. Wir können auch anfangen zu regieren, dann hört der Spaß auf!“

Weder an Wolfgang Bosbach („Der ist nichts in der CDU, der kann überall talken!“), noch an Ronald Pofalla („Der hat eine beeindruckende Fähigkeit zur Farblosigkeit!“) lässt er ein gutes Haar. Auch Frank-Walter Steinmeier und Klaus Ernst bekommen ihr Fett weg. Wenn er als Gregor Gysi berlinert und Sammelklagen androht, liegt er fast schon mit dem Kopf auf dem Tisch. Wortgewaltig und atemberaubend erklärt er, warum man der Stasi dankbar sein muss, dass sie Leute für Lauschangriffe und Spitzeldienste ausgebildet hat – doziert er, warum die Spezies Politiker die Art ist, die mit dem Menschen am nächsten verwandt ist, und was von den Wirtschaftslenkern zu halten ist: „Manager verschließen Geist und Gehör, wenn andere sozial ertrinken!“

Finanzminister Wolfgang Schäuble lässt er der Finanzkrise Positives abgewinnen: „Sie dürfen dankbar sein, dass wir uns ein Sparpaket leisten können!“, und Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen hinter- und doppelsinnig vorschlagen, Hartz-IV-ler im Zoo zu füttern. Tiere dürfen bekanntlich nicht gefüttert werden…

„Die Jugend verblödet am PC!“

Ganz klar, dass Altkanzler Schmidt als Zigarette saugender Raucher schmatzend und hustend in das Geschehen eingreift und die Dinge aus seiner Sicht beleuchtet: „Der Bürger glaubt, er könne teilhaben an Entscheidungen. Aber das sieht das Grundgesetz nicht vor, und das ist auch nicht wünschenswert.“ Sogar Altkanzler Kohl darf Sachverstand beweisen, ehe Richling  „Raschderfahndung“ und Datensammelwut des Internet-Zeitalters („Die Jugend verblödet am PC!“) ins Visier nimmt und George Orwell ins Stammbuch schreibt: „Der hat mit „1984“ doch alles verharmlost!“

Dann ist er wieder bei Grundsätzlichem, bei der Evolution („Welcher Stammzelle wurde Westerwelle entnommen?“), bei den Staatsformen, bei der Korruption, bei Altkanzler Schröder, den er im Interview sagen lässt: „Ich habe als Kanzler das umgesetzt, was die Mehrheit der Lobbyisten bei mir durchgesetzt hat!“ – bei Sarkasmus pur: „Das Atommülllager Asse II ist die Chance, die Menschheit auf ein Normalmaß zu reduzieren!“ Letzterer scheint auch durch, wenn der 59-jährige Stuttgarter sich in den rot gewandeten Freiburger Erzbischof Zollitsch verwandelt: „Die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle haben uns zutiefst erschüttert!“

„Wer vorne mundtot gemacht wird…“

Schon während des ganzen Programms spendet das Publikum in der nicht ganz gefüllten, pünktlich zu Beginn der meteorologischen Sommerzeit leider auch ein bisschen kühlen Stiftsruine reichlich Szenenapplaus. Zum Schluss gibt es dann soviel Beifall, dass der vielfach ausgezeichnete Richling um Zugaben nicht herumkommt. Zum einen ein aktuelles Interview mit dem lange nachdenkenden und dann Gedichte schreibenden Günther Grass, zum anderen ein Richling-Evergreen: das feucht-fröhlich-sinnlose Gespräch der „pfälzischen Weinkönigin“ Rainer Brüderle mit einem nur schwer zu verstehenden chinesischen Reporter. Fach-Chinesisch eben. Derber Höhepunkt angesichts des Zustandes der FDP: „Wer vorne mundtot gemacht wird, kann hinten trotzdem weiter furzen.“

Intendant Holk Freytag bleibt nichts Anderes übrig, als auf die Bühne zu eilen und dem sich immer wieder verbeugenden Künstler mit einem großen Blumenstrauß zu danken. Recht so, Richling!

Fotos: Apel/Rumpf

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Artikel publiziert am: 03.06.2012 - 18.09 Uhr
Artikel gedruckt am: 05.06.2012 - 22.04 Uhr
Quelle: http://www.hersfelder-zeitung.de/nachrichten/kreis-hersfeld-rotenburg/bad-hersfeld/abendmahl-kanzlerin-2342700.html

Mathias Richling begeistert mit seinen jüngsten Beobachtungen in der Stiftsruine
Das Abendmahl der Kanzlerin

Bad Hersfeld. Die Geschwindigkeit seiner Programme ist das Markenzeichen von Mathias Richling, die er auch in seiner neuen Show „Der Richling Code“ beibehält. Über achthundert Besucher in der Stiftsruine ließen sich von seiner aktuellen politischen Momentaufnahme begeistern, inszeniert von Autor und SWR-Moderator Günter Verdin.


Rollentausch: Matthias Richling überzeugt auch als Günther Grass.

Angekündigt wurde eine Richling-Show, die ebenso zukunftsweisend wie vergangenheitsbewältigend ist. Das gesamte Führungs-Personal des Deutschland-Konzerns war unterstützend auf der großen Bühne versammelt. Angela Merkel thront in Form eines roten Blazers in der Mitte. Ihre politischen Jünger sitzen – vertreten durch Namensschilder – an einer schwarz-rot-goldenen Abendmahl-Tafel. „Liebe deutsche Gemeinde“, richtet sich der vermeintliche Bundespräsident Joachim Gauck an sein Volk und verkündet: „Euch ist ein Bundespräsident geboren“.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Eine Pointe jagt die nächste. Wolfgang Bosbach, der „Dingsbums“ in der CDU, der in jeder Talkshow zu jedem Thema was zu sagen hat, oder Wolfgang Schäuble, der ausgerechnet hat: „Die sozial Schwachen sind die reichste Gruppe im Land“, scheinen leibhaftig anwesend zu sein. Authentisch sind nicht nur Dialekt und Sprechweise, sondern auch Gestik und Mimik der karikierten Personen. Matthias Richling wird zurecht von Kritikern als der beste Parodist der deutschen Kabarett-Szene gefeiert. Er, der genaue Beobachter von Menschen und Politik, schlüpft in die Rollen der Politiker und immer wieder in den Blazer der Kanzlerin, die zu den brandaktuellen Themen Gentechnik, Umwelt-Desaster oder Bankenkrise ihren Senf dazugibt.

Richling dreht das Rad der Geschichte zurück und bedauert: „Die im Osten bekamen die Mauer aufgebrummt, wir den Kohl“. Die Gastauftritte der Altbundeskanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder sind genial.

Als Schwabe hat Richling natürlich seine ureigene Meinung zum Projekt Stuttgart 21. Er findet, der Bahnhof sollte oben ruhig weiter wachsen dürfen, Stuttgart gehört hingegen unter die Erde. „Die Demonstrationen gegen den Bahnhof sind beispielgebend für die gesamte arabische Revolution“.

Präzise Sprachakrobatik

Richling live auf der Bühne ist ein Erlebnis der besonderen Art. Präzise Sprachakrobatik in wahnwitzigem Tempo, Gedanken- und Themensprünge im Minutentakt. Die reichen von Darwins Evolutionstheorie, dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester bis zur FDP, die ein Fall für den Gnadentod ist.

Mit seinem „Richling-Code“ deckt er zwei Stunden lang literarisch anspruchsvoll Verschwörungen am Tisch des Herrn auf. Minutenlanger frenetischer Applaus für einen der größten Darsteller des deutschen Kabaretts.

Von Gudrun Schmidl

Artikel lizenziert durch © hersfelder-zeitung
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.hersfelder-zeitung.de

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Dienstag, 8. Februar 2011

KRITIK "AUGSBURGER ALLGEMEINE",07.02.2011




Ein Code, der leicht zu knacken ist
Von Stephanie Knauer
Eine Pause, so erklärte Mathias Richling nach der Vorführung, würde den Fluss seines neuen Programms zu sehr aufhalten. Und so bekam das Publikum in der nicht ganz ausverkauften Neusässer Stadthalle zwei Stunden Mathias Richling am Stück. Doch wie sich zeigte, gelang es dem Kabarettisten, Spannung und Aufmerksamkeit bruch- und nahtlos zu halten.

Richlings neues, laufend aktualisiertes Programm heißt „Der Richling Code“ und spielt schon im Titel auf den Weltbestseller „Der Da Vinci Code“ von Dan Brown an. Und auch beim Bühnenbild ( von Regisseur Günter Verdin)stand da Vinci Pate. Hinter einem langen, in Schwarzrotgelb gedeckten Konferenztisch war die Abendmahl-Szene zu erkennen. Auf dem Tisch standen Namenskärtchen und jedem der im Folgenden aufs Korn genommenen Politiker war so ein Apostel zugeordnet. Nur Jesus blieb ausgespart: An seiner statt stand eine kopflose Schneiderpuppe mit leuchtend rotem Blazer, Symbol für die Kanzlerin, deren Büste zudem in einer Merkel-Karikatur am Bühnenrand abgebildet war.

Richlings Merkel-Parodien hinter dem Torso bekamen so einen messianischen Anstrich. Der aal- und gelglatte von Guttenberg zu ihrer Rechten nahm den Platz des Lieblingsjüngers ein. In Judas-Nähe saß ein Stasi-umwehter Gregor Gysi, unter ferner liefen Westerwelle und der Rest des Kabinetts. Die Altkanzler Schmidt und Schröder nahmen in Chefsesseln neben den Namenskärtchen „Raucher“ und „Zigarren“ Platz und versprühten lässig starken Tobak („Das Volk ist wach geworden, der Staat ist eingeschlafen.“).

Stehen musste der Bürger, symbolisiert durch Handwerkskittel und geduckte Haltung. „Ich verhungere“, klagte er Ackermann an. „Das dauert lang“, erwiderte der Banker ungerührt. „Wenn morgen die Welt unterginge, würden wir heute noch eine Bank retten“, wandte sich Richling vorwurfsvoll ans Publikum.

Seine bekannten Imitationen ziehen noch immer

So harmlos sein Tonfall klingt, Richlings Inhalte sind schwer zu verdauen. „Von mir kriegen Sie nochmals die Kröten serviert, die Sie die letzten Wochen haben schlucken müssen“, kündigte er an. Und hangelte sich dann von „Google Wohn View“ über Stuttgart 21, Ilse Aigner („das einzige freilaufende Mitglied der Koalition“) und Wolfgang Bosbach („ist nichts und weiß alles“) zu Christian Wulff („das Schaf im Wulffspelz“) - das Politkabarett ist Richlings Element.

Der Politiker ist eine Art, die dem Menschen verwandt sei, sinnierte er durch die Brille der darwinschen Evolutionstheorie: Doch anstatt mit Ellbogeneinsatz arbeite er sich durch Morastschleim nach oben. Mit der bekannten aber immer wieder faszinierenden Imitationskunst schlüpfte der 57-Jährige in seine Rollen, zog seine Folgerungen mit beklemmender Logik, klagte Staat und Kirche an - und schloss ganz schlicht mit einem Rat: „Es erleichtert die Politik ungemein, wenn die, die nichts zu sagen haben, auch nichts sagen.“

07.02.2011

Mittwoch, 19. Januar 2011

Neue Kritiken über den RICHLING CODE





REGIE/BÜHNE:Günter Verdin
Mathias Richling mit seinem neuen Programm 2010/2011
So oft und gerne der schwäbische Menschen-Beobachter , Politik-Deuter und sarkastische Wahr-Sager Mathias Richling bei Ihnen im Wohnzimmer via TV (zum Beispiel:“STUDIO RICHLING“,SWR Fernsehen) zu Gast ist: am liebsten kommuniziert er doch direkt und live mit Ihnen. Um sein jüngstes, brennend aktuelles Bühnenprogramm möglichst oft und vielerorts präsentieren zu können, hat der Kabarettist sogar attraktive Fernseh-Angebote abgesagt.
Die neue Richling-Show ist ebenso zukunftsweisend wie vergangenheitsbewältigend: unser reales Leben und sein virtuelles vielfach verschlüsseltes Abbild, das sich aus vielen Daten-Pixel zusammensetzt, sind ebenso Thema des brandaktuellen neuesten Programms wie Gentechnik, Umwelt-Desaster, Bankenkrise und natürlich das gesamte Führungs-Personal des Deutschland-Konzerns (besonders delikat, um nur ein Beispiel zu nennen: Bundes-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle im Interview mit einem chinesischen Reporter!). Regie führt wie immer Autor und SWR-Moderator Günter Verdin. Richling, der von vielen Kritikern als der beste Parodist der deutschen Kabarett-Szene gefeiert wird, bringt seine jüngsten Beobachtungen wie immer in literarisch anspruchsvolle Form (über seine Texte gibt es bereits Magister-und Doktorarbeiten). Niemand aus Politik und Show bleibt verschont. Die Parodie ist Verifizierung der Persönlichkeit, das Gegenteil von Karneval und Fasching, weil hier die Masken herunter gerissen werden. Gut ist sie dann, wenn nicht nur die gemeinte Person in ihrem Habitus, Stimme und Gestus, sondern auch in ihren Motiven und Absichten entlarvt wird. Sie sollten nicht versäumen, die Qualität der völlig neuen Richling-Parodien live zu überprüfen! Demnächst auch in Ihrem Theater!



PRESSESTIMMEN zu „DER RICHLING-CODE“:
Er beobachtet gerne Menschen und die Politik und versucht so, den politischen Menschen zu ergründen: Kabarettist und Satiriker Mathias Richling lebt vom Sinn und Unsinn der Politik. Auch in seiner neuen Show „Der Richling Code“ hat Richling sich mit Themen wie Gentechnik, Umwelt-Desaster und der Bankenkrise beschäftigt. Dabei schlüpft Richling wie gewohnt in die Rollen verschiedener Persönlichkeiten, um so das Widersprüchliche zu parodieren.
TV BERLIN
Markenzeichen des gebürtigen Baden-Württembergers ist die große Geschwindigkeit seines Programms - die Pointen kommen Schlag auf Schlag.
BERLINER ZEITUNG
Eigentlich könnte Mathias Richling mit den omnipräsenten, herrlich polarisierenden Promis Thilo Sarrazin und Jörg Kachelmann wunderbar von der desaströsen Politik im Lande ablenken. Doch als Schwabe geht er mit dem umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 lieber gleich in die Vollen. Er findet, der Bahnhof sollte oben ruhig weiter wachsen dürfen, Stuttgart gehört hingegen unter die Erde.
In den Wühlmäusen präsentiert er zur Zeit sein neues Programm „Der Richling Code“, eine aktuelle politische Momentaufnahme, inszeniert von Regisseur Günter Verdin als mediales Talkshow-Theater am bundesdeutschen Abendmahl-Tisch unter der Ägide des bewährten dreiknöpfigen Jacketts von Angela Merkel.
Richling schlüpft selbstredend in alle Rollen der anwesenden Politiker-Runde, von Pofalla bis Bosbach…… Genial ist Richlings Raucher, besser bekannt als Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der mit wüsten Gedankensprüngen Nichtraucher zu unverbesserlichen Antisemiten abstempelt und gegen eine Mauer in den Lungen der Menschen wettert.
BERLINER MORGENPOST
Bissig, aber so lustig - da würden auch Politiker lachen.
BERLINER KURIER
Immer wieder Verdrehungen und absurde Logeleien, vorgetragen in oft wahnwitzigem Tempo und dabei trotzdem, weil diese Sprachakrobatik keine Schluderei erträgt, sehr präzise.
STUTTGARTER ZEITUNG
Kein zweiter deutscher Kabarettist setzt seinem Publikum ähnlich anspruchsolle Texte vor, die er – immer in Bewegung – unter der Regie von Günter Verdin mit punktgenau gesetzter Mimik und Gestik serviert.
DIBURGER ANZEIGER

Montag, 6. Dezember 2010

Zu Tisch mit Mappus und Merkel

Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 06.12.2010
Kabarett "Hab"s nicht verstanden, was hab ich g"sagt?" Mathias Richling stellt im Stuttgarter Beethoven-Saal sein neues Programm vor. Von Rupert Koppold

Ach, komm jetzt! Diese Riesenbühne kann der Richling doch nicht solo bes pielen, der hat sicher Kollegen mitgebracht, da oben wartet ja auch schon ein langer, langer, schwarz-rot-golden gedeckter Tisch mit zwanzig Namenskärtchen drauf, und jetzt - wo sind denn bloß die andern? - trippeltrappelt dieser hippelige Kerl doch tatsächlich allein herein, wieselt die Rampe entlang, als habe man ihm wieder mal das Ritalin abgesetzt, wünscht einen "Schönen Abend", nimmt selbigen, weil ihm gerade "ein Jahr Schwarz-Gelb" eingefallen ist, sofort wieder zurück, hat nach fünf Minuten im kabarettistischen Schleudergang dann schon Wikileaks, Sarrazin und Kachelmann erledigt, und kurz darauf ist es auch mit S 21 vorbei: "Der Bahnhof soll oben wachsen dürfen - Stuttgart gehört unter die Erde!"

So viele Jahre gibt es diesen zappeligen Mathias Richling schon - man hat sich fast zu sehr an ihn gewöhnt, erwartet nur noch das Bewährte. Bei der Stuttgart-Premiere seines neuen Programms "Der Richling Code" im Beethoven-Saal aber erleben die gut tausend Zuschauer einen bemerkenswert frischen Kabarettisten, der zwar noch eine Reminiszenz an Helmut Kohl einstreut - er hat ihn halt gar zu gut drauf! -, ansonsten aber das aktuelle deutsche Politpersonal in jedem Sinne vorführt. Dem Mappus, dem Steinmeier oder der Schavan - er dreht immer das jeweilige Namensschildchen zum Publikum um - nähert er sich mimisch und gestisch bloß ungefähr an, schiebt ihnen dafür aber mäandernde Sätze unter, bis sie bösen Sinn ergeben.

Die Herren Pofalla und Lauterbach ("Ich kenne mich mit Gesundheit aus, ich war selber schon mal gesund!") dagegen näselt Richling schon recht stimmig, und in den Altraucher und -kanzler Helmut Schmidt, der die Demokratie von oben herab als Potemkin"sches Dorf begreift ("Ich habe lange mit mir darüber gesprochen!"), verwandelt er sich samt hanseatischem S und zischendem Raucheinziehen geradezu brillant.

Hinter dem Tisch klappt Richling nebenbei das in zwei Teile zerlegte Abendmahl von Da Vinci hoch, dazwischen steht, sozusagen jesusmäßig, ein Kleiderständer mit rotem Merkel-Jackett. Dem steckt er von hinten die Arme durch und lobt im Kanzlerinnen-Tonfall: "Ich habe die Krise sicher durch das Land geführt!" Immer wieder Verdrehungen und absurde Logeleien, vorgetragen in oft wahnwitzigem Tempo und dabei trotzdem, weil diese Sprachakrobatik keine Schluderei verträgt, sehr präzise. Eine rasende Achterbahnfahrt durch Richlings Hirnwindungen ist hier zu erleben, man saust vorbei an Oettinger ("Hab"s nicht verstanden, was hab ich g"sagt?"), Gysi, ("Ich werde Ihnen verbieten lassen, meinen Namen mit mir in Verbindung zu bringen!"), Westerwelle ("Das Volk sollte mir dienen!"), und das geht so schnell, dass man manchmal nicht mehr weiß, ob Richling nun als Richling oder beispielsweise als Josef Ackermann spricht: "Wenn morgen die Welt unterginge, würden wir heute noch eine Bank retten!"

Wobei aber auch Richling als Richling mindestens doppelt existiert: in seiner hochdeutschen Stakkato-Variante, in welcher der 57-Jährige mit der runden Brille wie der junge Harry Potter auf Speed wirkt; und im grauen Hausmeisterkittel, in dem er den knitzen Schwaben hinknattert. Dann aber gleich wieder Richling als Schäuble, schmallippig, zynisch. Oder auch als Bischof zum Thema Missbrauch: "Wir dürfen schon von Amts wegen gar nicht verstehen, was uns vorgeworfen wird!"

Das Programm läuft inzwischen fast zwei Stunden, Richling macht keine Pause, fast scheint es, als müsse er zwischen den Sätzen nicht mal Luft holen. Noch immer agiert er flink, quecksilbrig, aufgedreht. Zwischendrin sucht er auch mal den billigeren Lacher, wenn er etwa rausfindet, dass "Politiker mit dem Menschen verwandt" sind. Aber dann fängt er sich sofort wieder und beginnt einen Satz zum Beispiel so: "Zu Lebzeiten der SPD . . ." Solch feine Formulierungen sind natürlich Applaus wert.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Die PRESSE schreibt

Es geht los. Eins-zwei-drei, Wiki-Leaks-Westerwelle, Wiki-Leaks-Merkel, Sarrazin, Kachelmann, Mappus (Parodie). Und-hoch-das-Bein, Stuttgart 21, Volksbegehren, Google-Street-View, Kinderpornoseiten, Pofalla, Lauterbach (jeweils Parodie). Hacke-Spitze, Helmut Schmidt (P), RAF, Demokratie, Diktatur, Steinmeier (P), Klaus Ernst (P), Gysi (P). Van-Damme-Spagat, Joachim Bublath (P), Evolution, 68er-Schlaglichter, Kapitalismus, Finanzkrise, Schäuble (P), von der Leyen (P).
Pausen- wie atemlos handelt Richling die Themen ab, hüpft dabei über die Bühne, von Station zu Station, um mal dem einen und mal dem anderen Publikumsflügel näher zu sein, wenn er ein Namensschildchen umdreht (nettes Gimmick) und den jeweiligen Politiker karikiert. Allein Mutti Merkel darf dabei mehrere Soli bestreiten, stets von einer Glocke eingeläutet.

Hechelnde Wortspiele, Haspeleien, beabsichtigt dummdreiste Versprecher wechseln munter mit wirren, verdrehten, aber in sich logischen und durchaus intelligenten Argumentationsspiralen, die bekanntlich zu Mathias Richlings Markenkern gehören. Der Bahnhof muss in die Tiefe, weil er ein Denkmal ist, das spätere Generationen vielleicht ausbuddeln wollen. Die DDR hat nie ein Menschenrecht missachtet, weil sie keine hatte, Westdeutschland wurde nach dem Krieg demokatisiert, weil höchstens ein Viertel der obrigkeitsgewöhnten Deutschen noch eine Diktatur wert war, für mehr hats nicht gereicht. Wenn Reiche auf einen neuen Satz Porschereifen verzichten, sparen sie weit mehr als Harzer beim Elterngeld, überhaupt sind die Armen des Landes insgesamt weitaus reicher, es verteilt sich nur auf mehr Köpfe.

Die Polit-Karikaturen, allesamt ohne große Verkleidung gespielt, pusten regelmäßig eine Hubba-Bubba-Sprechblase auf, in welchem jede Menge rhetorische Versatzstücke bekannter Politstatements tanzen, alsbald folgerichtig zu Absurditäten verklumpen und das Ganze schließlich so zum Platzen bringen, dass die zerkauten Worte im Gesicht kleben bleiben. Das ist die große Kunst der Entlarvung des herkömmlichen Politjargons, die niemand so beherrscht wie Richling, und die dem Zuschauer/-hörer mehr abverlangt als ein paar kurze Lacher.
Joachim Off GIG-BLOG.NET

Viel Applaus in Stuttgart für den «Richling Code
Von Roland Böhm, dpa
Hibbelig, sarkastisch, wortwitzig - Mathias Richling («Satire Gipfel») genießt am Wochenende sein Solo-Heimspiel in der Stuttgarter Liederhalle. Mehr als tausend Zuschauer haben ihren Spaß mit dem «Richling Code», dem neuen Programm des schwäbischen Kabarettisten.
Langer Applaus ist am Ende der Lohn für eine rund zweistündige Show des Politik-Deuters. Richling bleibt Richling - stets politisch, selten korrekt. Manch Lacher bleibt im Halse stecken.

Der Menschen-Beobachter und Parodist schlüpft mühelos von einer Rolle in die nächste. Letztlich sind es mehr als 20 Personen, die am schwarz-rot-gold gedeckten bundesdeutschen Abendmahl-Tisch Platz nehmen (Regie und Bühne: Günter Verdin). Und über allem schwebt Bundeskanzlerin Angela Merkel («Ich habe die Krise sicher durchs Land geführt»), hinter deren rotem Blazer Richling ein ums andere Mal schlüpft, um die Talkrunde um Gentechnik, Umwelt-Desaster und Bankenkrise zu dirigieren.

Ihr Vor-Vor-Vorgänger im Amt, Helmut Schmidt, muss natürlich am Rauchereck sitzen. Mit genial-wirren Gedankensprüngen wettert Richling in einer seiner Paraderollen gegen Nichtraucher. «Ich will damit nichts ändern. Ich will damit nur etwas gesagt haben.»

Gerne hätten auch Edmund Stoiber und Horst Köhler am Tisch sitzen dürfen, doch Richling ließ beide daheim und verließ sich unter anderem auf SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach («Ich kenne mich aus mit Gesundheit. Ich war selber schon mal gesund.») und Kanzleramtschef Ronald Pofalla samt seiner «Fähigkeiten zur Farblosigkeit».

Besonders gut kommt im Südwesten natürlich Richlings Variante von Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus an («Natürlich nehme ich die Proteste gegen Stuttgart 21 ernst, ich weiß nur nicht, was ich damit anfangen soll»). Zum Streit um den geplanten Tiefbahnhof Stuttgart 21 hielt sich Richling merklich zurück. Der Bahnhof solle oben ruhig weiter wachsen dürfen - Stuttgart hingegen gehöre unter die Erde.

Eigentlich hat Richling, der zur ersten Garde des politischen Kabaretts in Deutschland zählt, sein neues Programm schon bei Dieter Hallervordens Berliner Wühlmäusen gespielt. «Da habe ich die Möglichkeit, noch einiges auszuprobieren.» Doch jetzt - mit zwei Auftritten in der Heimat - gehe die Tour richtig los. Obwohl er den «Scheibenwischer»-Nachfolger «Satire Gifel» der ARD demnächst an Dieter Nuhr abgibt, bleibt er den TV-Zuschauern mit dem «Studio Richling» im SWR Fernsehen erhalten. Und natürlich hat er jetzt eine ganz lange